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Birnen

Birnen

Birnen gehören zur Familie der Rosengewächse. Aufgrund des Kerngehäuses in der Mitte, das kleine, dunkle Kerne enthält, werden sie auch als Kernobst bezeichnet.
Es gibt diverse Birnensorten, die sich anhand der Farbe ihrer Schale unterscheiden lassen. Hier reicht die Facette von braun über gelb und grün bis hin zu rot.
Es gibt mindestens 1.500 Birnensorten auf der Welt, davon wächst ungefähr die Hälfte bei uns in den heimischen Gärten.

Das Fruchtfleisch der Birnen ist weißlich. Birnen reifen je nach Art zwischen Juli und Oktober. Die Früchte reifen nach, weshalb man noch rohe, nicht ganz ausgereifte (harte) Birnen zuhause in Ruhe reifen lassen kann.
An Beliebtheit rangiert die Birne allerdings weit hinter dem Apfel. Weltweit beträgt die Birnenernte nur ein Viertel der Apfelernte.
Bei uns in Deutschland werden nur knapp halb so viele Birnenbäume wie Apfelbäume gepflanzt. Birnen werden zwar gerne gegessen, gelten aber, weil sie weit weniger Säure haben als zum Beispiel Äpfel, in der Küche als weniger vielseitig.
Ebenso sind Birnen empfindlicher als Äpfel und eignen sich weniger für Transport und Lagerung.

Birnen
In den Supermärkten und auf den Wochenmärkten findet man maximal 3 - 4 verschiedene Birnensorten. Ein etwas breiteres Angebot bieten die Hofläden der Direktvermarkter.
Nicht alle Birnensorten sind gleichermaßen zum Kochen wie zum Roh-Verzehr geeignet. Entscheidend ist der Säuregehalt der Birne. Schmecken sie mild, weil sie zu wenig Säure enthalten, haben sie nach dem Kochen ein eher fades Aroma.
Das trifft vor allem bei den Frühbirnen zu, wie z. B. bei der "bunten Julibirne", die ab Ende Juli reif wird. Aber auch die Sorten "Williams Christ" und "Clapps Liebling", beides Augustbirnen, sind weniger säurehaltig.

Umgekehrt verhält es sich bei der sogenannten Kochbirne, einer norddeutschen Birnenart, die klein und hart ist und herbe schmeckt. Diese Sorte ist nur zum Kochen geeignet und wird vor allem für das norddeutsche Gericht "Birnen, Bohnen und Speck" verwendet. Roh ist diese Birne kein Genuss.
Die Herbstbirnen, die ab September auf den Markt kommen, haben in der Mehrzahl so viel Aroma, dass man sie sowohl zum Kochen als auch zum Rohverzehr verwenden kann.

Vollreife Birnen sind sehr druckempfindlich und faulen schnell an den Druckstellen. Man sollte beim Einkauf und der Lagerung darauf achten, dass sie nicht gedrückt werden.
Werden die Birnen nicht sofort verzehrt, sollte man besser noch etwas feste, nicht ganz reife Früchte kaufen. Sie sind unempfindlicher und reifen bei Zimmertemperatur ausgezeichnet nach.
Birnen gehören zu den empfindlichen Lebensmitteln und müssen möglichst rasch verzehrt werden, da sich die meisten Sorten nur kurz lagern lassen.
Birnen, die nicht gleich gegessen werden, sind am besten im Kühlschrank aufgehoben.
Wärme und Licht lassen die Früchte rasch überreif werden. Oft werden sie mehlig, matschig oder faul. Zusätzlich verliert die Birne bei Licht und Hitze ihre wertvollen Inhaltsstoffe schneller.
Am besten ist es, wenn die Birnen beim Kauf noch grün sind.
Allerdings ist die Lagerdauer insgesamt auch begrenzt, nur einige spät reife Wintersorten können unter optimalen Lagerbedingungen mehrere Monate gelagert werden.
Wenn man den Reifevorgang beschleunigen will, gibt man Birnen zusammen mit einem Apfel in eine Papiertüte, die mit einer Nadel ein paarmal angestochen wird.
Die Birnen werden hart geerntet, sind unempfindlicher, und erlangen durch den "Apfel-Trick" (Äpfel scheiden das Reifungsgas Ethylen aus) nach kurzer Lagerzeit ihre optimale Genussreife.
Wie fast alle Kernobstfrüchte lassen sich Birnen äußerst vielseitig verwenden. Ihr zartes Aroma passt zu den unterschiedlichsten Gerichten der süßen, aber auch der herzhaften Küche.
Birnen sind ein beliebtes Tafelobst für den Frischverzehr. Ob als Snack zwischendurch gegessen oder als Dessert zelebriert mit einem Stück kräftigem Käse - Birnen kann man immer essen.
Gedünstete Herbstbirnen schmecken nicht nur als Dessert. Sie sind auch eine interessante Beilage, zum Beispiel zu geräuchertem Schweinefleisch, zu Rindfleisch (klassisch: süßsauer eingelegte Birnen) und zu Wild (Früchte in Rotwein gegart, Hälften mit Ingwersahne oder Preiselbeerkompott gefüllt).
Überbackener Toast mit Schinken, einer Birnenhälfte und oben drauf Camembert ist eine Delikatesse.
Frische Birnen schmecken aber auch an frischen, grünen Salaten und zu geräuchertem oder luftgetrocknetem Schinken.
Nicht zu vergessen der Klassiker "Birne Helene" - gedünstete Birnen mit Schokoladensauce.

Das Fruchtfleisch der Birnen wird schnell bräunlich und unansehnlich, wenn die Birnen geschält sind. Um das zu verhindern, sollte man es sofort mit Zitronensaft beträufeln.
Gekochte Birnen schmecken nur darum manchmal etwas fad, weil den Früchten die Säure fehlt. Aber dem kann man ganz leicht abhelfen, indem man dem Kochwasser etwas Zitronensaft zufügt oder die Birnen in Wein (Rotwein ebenso wie Weißwein), Portwein oder Apfelsaft gart.
Zum Aromatisieren eignen sich Zimt, Nelken und Ingwer, aber auch Kräuter wie Rosmarin und Zitronenmelisse. Ingwer unterstreicht das fruchtige Aroma von Birnen besonders gut.

Birnensaft ist, wie auch die Früchte selbst, säurearm, mild und bekömmlich. Der eingedickte Birnendicksaft ist eine leckere Zucker-Alternative. Er schmeckt leicht fruchtig, hat eine starke Süßkraft und eignet sich sehr gut zum Süßen von Obst, Joghurt und Eis.
Viele glauben, dass Birnen dick machen, weil sie so süß schmecken. Das ist ein Irrtum, Birnen enthalten fast genau so viel Fruchtzucker wie Äpfel, die in jeder Schlankheitsdiät vorkommen und haben kaum Kalorien. Pro 100 g Fruchtfleisch enthalten sie nur 55 kcal. Sie schmecken nur süßer, weil sie nur halb so viel Säure enthalten und sind somit zum Roh-Essen natürlich ideal und gut verträglich.
Die Birne liefert viele Ballaststoffe und macht deshalb schnell satt. Sie bleibt nur kurze Zeit im Magen und wird schnell verdaut. Dadurch gelangen wichtige Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe rasch über den Darm in den Organismus.
In der Birne ist ein hoher Anteil an Vitamin C vorhanden. Der Apfel beinhaltet allerdings doppelt so viel Vitamin C.
Zudem haben sie einen beachtlichen Anteil an Folsäure. Am besten kann diese in Form von rohen Früchten aufgenommen werden.

Neben einem hohen Vitamin B-Gehalt weist die Birne verschiedene Gerbsäuren, Spurenelementen und Mineralien wie Zink, Magnesium, Kalzium, Kalium, Phosphor und Kupfer auf.
Ebenfalls wirkt sie entschlackend und entwässernd.
Aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe befinden sich in der Birne direkt unter der Schale die sogenannten Flavonoide. Diese stärken das Immunsystem.
Birnen weisen einen hohen Wassergehalt auf und versorgen den Körper zusätzlich mit Flüssigkeit.
Grundsätzlich sollte man Birnen am besten mit Schale essen, denn beim Schälen gehen sehr viele der wertvollen Inhaltsstoffe verloren.
Gehen Sie einmal auf geschmackliche Entdeckungsreise und erkundigen Sie sich in einem Hofladen nach besonders alten Birnensorten. Traditionsreiche Betriebe haben oft noch alte Baumbestände mit längst vergessenen Sorten.

Birnensorten

Birnensorten tragen so wohlklingende Namen wie "Clapps Liebling", "Williams Christ" oder "Köstliche von Charneux". Hochsaison haben Birnen von Ende Juli bis Oktober. Frisch und direkt vom Erzeuger schmecken sie am besten.
In Deutschland ist der kommerzielle Birnenanbau nicht sehr weit verbreitet und das Sortiment beschränkt sich auf wenige alte Sorten wie z. B. "Williams Christ", "Alexander Lukas" oder "Conference". Je nach Region kommen noch "Köstliche von Charneux" (Bürgermeisterbirne), "Abate", "Kaiserkrone" oder die "Gute Luise" dazu.

Die "Gute Luise" ist länglich und hat eine grüne Grundfarbe, das Fruchtfleisch ist weiß und saftig. Sie zählt bis heute zu den am häufigsten angebauten Birnensorten. Das schmelzende Fruchtfleisch der Tafelbirne zeichnet sich durch ein süß-säuerliches Aroma aus.

Bei "Clapps Liebling" ist die Schale gelblich-grün und kann bei sehr reifen Früchten auch hellgelb sein. Das Fleisch der Birne ist schmelzend und manchmal leicht körnig. Die saftige Frucht hat ein süß-säuerliches Aroma.

Die bauchige "Alexander Lucas" Birne ist an ihrer matt glänzenden und meist braun roten Schale zu erkennen. Ihr Fruchtfleisch ist leicht körnig, weiß und mäßig saftig.

Die "Köstliche von Charneux" (Bürgermeisterbirne) ist meist gelb mit roten Bäckchen und festem Fruchtfleisch. Sie zeichnet sich durch ihre besondere Süße aus und schmeckt am besten roh.

Die "Conference" duftet herrlich, ist grün, süß und besonders saftig und hat ein angenehmes Aroma. Sie ist bei niedrigen Temperaturen auch lagerfähig.

Die "Williams Christ" Birne zählt noch heute zu den meist angebauten Birnensorten. Sie hat eine glatte gelblich-grüne Schale, ist sehr saftig und schmeckt roh hervorragend. Die "Williams Christ" ist eine schmackhafte Tafelbirne mit einem muskatartigen Duft. Ihr zartes Fruchtfleisch ist weiß, schmelzend und saftig. Sie schmeckt harmonisch süß bis leicht säuerlich. Aus dieser Sorte wird der berühmte Williamsbirnengeist hergestellt.

"Concorde" ist eine flaschenförmige und glattschalige Birne. Die Sorte lässt sich sehr gut lagern.

Birnenanbau

Birnbäume werden sowohl zum Obstanbau als auch zur Zierde angepflanzt.
Geschmack und Qualität der Früchte werden von den Bodenverhältnissen und dem Klima bestimmt. Sandiger Lehmboden bietet meist gute Anbaubedingungen. Birnenbäume lieben eine warme, geschützte und sonnige Lage. Durch ihre frühe Blüte ist die Birne bei Spätfrost gefährdet.

Im Herbst ist die beste Pflanzzeit. Dann wachsen die Bäume am besten an und wurzeln bis zum Frühjahr gut durch. Das Pflanzloch sollte mindestens einen doppelt so großen Umfang wie der Wurzelballen haben. Die Sohle im Pflanzloch sollte man gut durchlockern. Alle beschädigten Wurzelteile müssen entfernt werden. Die Veredlungsstelle sollte etwa zehn Zentimeter über der Erdoberfläche liegen. Erde und Kompost werden eingefüllt, dann gut eingeschlämmt und vorsichtig festgetreten. Im darauf folgenden Jahr ist schon mit der ersten Ernte zu rechnen.